Über uns

Björn Haase 1. Vorsitzender des Schwerhörigen Vereins Berlin

Grußwort des (kommissarischen) Vorsitzenden Björn Sebastian Haase zum 100. Todestag Margarethe von Witzleben
Liebe Mitglieder, Hörbehinderte, Förderer, Partner und Interessierte,
ganz kurz etwas über meine Person: Ich bin von Geburt an auf beiden Seiten an Taubheit grenzend schwerhörig. Ich bin aber an eine normalhörende Schule gegangen, habe ein Austauschjahr in Amerika gemacht, Abitur, Ausbildung, Studium, Handballspieler, Schiedsrichter und Trainer. Ich habe mit meiner normalhörenden Lebensgefährtin zusammen eine kleine, aber recht lebhafte Tochter.
In all dieser Zeit war mir Margarethe von Witzleben kein Begriff.

Erst vor 6 Jahren habe ich die Beratungsstelle HörBIZ wegen Querelen auf meiner Arbeit aufgesucht. Als Träger dieser Beratungsstelle fungiert das Sozialwerk der Hörgeschädigten Berlin e.V.
Seit 5 Jahren habe ich mehr oder weniger regelmäßig an einer Selbsthilfegruppe für Berufstätige im Schwerhörigen-Verein teilgenommen. Vor zweieinhalb Jahren bin ich erst in den Verein eingetreten, um ein wenig den Vorstand zu unterstützen. Im Jahr 2015 wurde ich dann zum stellvertretenden Vorsitzenden des Sozialwerks der Hörgeschädigten Berlin e.V. gewählt und seit 3 Monaten habe ich kommissarisch den 1.Vorsitz übernommen.

Bei der Vorbereitung dieser Rede anlässlich des 100. Todestags von Margarethe von Witzleben habe ich mich auch mit meinen Vorstellungen zur Führung des Schwerhörigen-Vereins auseinandergesetzt. Eines steht für mich nun fest: Ohne Margarethe von Witzleben wäre es nicht zu einer Schwerhörigen-Bewegung gekommen, die von Berlin ausging und heute nun weltweit besteht.

Es hatte vorher weder Selbsthilfegruppen noch andere Gemeinschaften von Schwerhörigen gegeben, die sich austauschen konnten. Mit dem Gottesdienst nur für Schwerhörige fing es in der Tieckstraße an. Die Entwicklung unseres Vereins verlief nicht geradlinig, sie war von vielen Umbrüchen begleitet. Schon früh kam der Gedanke auf, ein eigenes Heim mit Garten zu schaffen, in welchem sich Schwerhörige und Ertaubte wohlfühlen können. Nach dem Tode von Margarethe von Witzleben sollte mit ihrer Erbschaft in Höhe von 39.360 Mark diese Vision verwirklicht werden.
Doch durch Kriegsende und Inflation verlor das Geld an Wert. Erst nach mehreren Spendensammlungen konnte der Plan im Jahr 1932 durchgeführt werden. Es hatte aber nur zu einem Wohnhaus gereicht, das ist nun heute unser Witzlebenhaus.

In diesem Haus konnte die Beratungsstelle HörBIZ eingerichtet werden, wo sich heute zwei Sozialarbeiter und eine Verwaltungsangestellte kostenlos um die verschiedensten Probleme hörgeschädigter Menschen kümmern. Gefördert wird dieses Projekt „Beratung und Betreuung von Schwerhörigen und Ertaubten“ durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales. Allerdings muss unser Sozialwerk sich mit einem hohen Eigenanteil an der Finanzierung des Projektes beteiligen. Schon Ende der 20er Jahre kam der Gedanke auf, einen internationalen Verband der Schwerhörigen
zu gründen. Wegen der allgemeinen politischen Lage in Europa kam es nicht dazu. Erst spät – im Jahr 1977 – schlossen sich nationale Verbände zu einem Internationalen Verband der Schwerhörigen (IFHOH) zusammen.

Im Herbst 2017 wird hier in Berlin in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Schwerhörigenverband IFHOH die 4. Internationale „Hearing Loops and Accessibility Conference“ in Deutschland stattfinden. Dazu lädt der Deutsche Schwerhörigenbund alle Interessenten herzlichst ein.

Abschließend möchte kurz aus der Zeitschrift Hephata die Worte zitieren, die Margarethe von Witzleben der Arbeit im Schwerhörigen-Verein vorangestellt hatte:

Wachstum nach innen und außen,
Weisheit, um das begonnene Werk durchzuführen
Wahrheit als Grundton im Verkehr untereinander
Einigkeit, die uns stark macht
Einsicht, dass uns Hilfe Not tut
Eifer zur gemeinsamen Arbeit!

Tatsächlich sind rund 21% der deutschen Bevölkerung in irgendeiner Form hörbehindert und trotzdem haben wir nur 360 Mitglieder im Berliner Verein. Man bekommt hier den Eindruck, dass bei Schwerhörigen und Ertaubten alles zum Besten steht. Das große Problem ist aber immer noch, dass viele Schwerhörige sich nicht zu ihrer Schwerhörigkeit bekennen. Trotzdem suchen Schwerhörige und Ertaubte unser HörBIZ auf, weil sie Rat und Hilfe brauchen. Es gibt viel zu tun, denn noch viele Widerstände sind zu überwinden. Nur steter Tropfen höhlt den Stein aus.
So habe ich meinen Auftrag erkannt und möchte nun auch im Sinne von Margarethe von Witzleben handeln.